Was geschieht eigentlich mit dem Abwasser, nachdem es im Ausguss oder in der Toilette verschwunden ist? Anlässlich des Weltwassertags öffnete die Meininger Kläranlage am 22. März 2023 ihre Türen. Bei mehreren Führungen erhielten interessierte Besucherinnen und Besucher Einblicke in die Abwasserbehandlung und die tägliche Arbeit auf der Anlage.
Vom Hauptpumpwerk bis zum Grobrechen
Die Führung begann am Hauptpumpwerk und führte anschließend zum Grobrechen. Dort werden größere Gegenstände und feste Bestandteile aus dem Abwasser entfernt, bevor sie weitere Bereiche der Anlage erreichen können.
Dabei kommen mitunter ungewöhnliche Dinge zum Vorschein. In der Vergangenheit fanden die Beschäftigten beispielsweise Teile eines Weihnachtsbaums und sogar eine noch verpackte Bohrmaschine. Solche Gegenstände zeigen deutlich: Die Toilette ist kein Mülleimer.
Besonders Feuchttücher bereiten im Abwassersystem Probleme. Anders als gewöhnliches Toilettenpapier lösen sie sich im Wasser nicht ausreichend auf. Sie können sich zu reißfesten Klumpen verbinden, Leitungen verstopfen und Pumpen beeinträchtigen. Auch Lebensmittelreste, Speisefette und andere feste Abfälle gehören weder in die Toilette noch in den Abfluss.


So werden die Kanäle kontrolliert und gereinigt
Zur Abwasserentsorgung gehört nicht nur die Behandlung des Abwassers im Klärwerk. Auch das Kanalnetz muss regelmäßig kontrolliert, gewartet und bei Bedarf gereinigt werden. Bei der Führung konnten die Gäste sehen, wie eine Kamerauntersuchung im Kanal durchgeführt wird. Mithilfe solcher Kameras lassen sich der Zustand von Leitungen überprüfen und mögliche Schäden oder Ablagerungen erkennen.Außerdem wurde gezeigt, wie Kanäle mit Hochdruckspültechnik gereinigt werden. Dabei löst ein kräftiger Wasserstrahl Ablagerungen aus den Leitungen und transportiert sie weiter.



Sicherheit bei Arbeiten in der Kanalisation
Arbeiten in Kanälen und anderen abwassertechnischen Anlagen erfordern besondere Sicherheitsmaßnahmen. Beschäftigte tragen dafür geeignete Schutzkleidung und verwenden je nach Einsatz unter anderem Rettungsgurte, Gaswarngeräte und weitere Schutzausrüstung. Die Ausrüstung dient dazu, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und im Notfall schnell reagieren zu können. Während des Besuchs wurde der sichere Einstieg in einen Bereich der Anlage anschaulich demonstriert.
Mikroorganismen übernehmen einen wichtigen Teil der Reinigung
Nach der mechanischen Vorreinigung folgt die biologische Behandlung des Abwassers. Dabei spielen verschiedene Mikroorganismen eine zentrale Rolle. Unter kontrollierten Bedingungen bauen sie organische Bestandteile und Nährstoffe im Abwasser ab. Damit die biologischen Prozesse funktionieren, werden die Becken zeitweise mit Sauerstoff versorgt. Anschließend werden Wasser und Belebtschlamm in den Nachklärbecken voneinander getrennt. Der Schlamm setzt sich ab, während das behandelte Wasser weitergeleitet wird.


Regelmäßige Untersuchungen sichern den Betrieb
Die Abwasserbehandlung wird durch regelmäßige Kontrollen begleitet. Im Labor der Kläranlage werden Proben untersucht und wichtige Messwerte überprüft. Diese Untersuchungen helfen dabei, die einzelnen Reinigungsstufen zu steuern und Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Neben den betrieblichen Eigenkontrollen finden auch externe Überprüfungen statt. Erst nach der vorgeschriebenen Behandlung und Kontrolle wird das gereinigte Abwasser in die Werra eingeleitet.


Fotos: Stadtwerke Meiningen
Abwasserreinigung beginnt im eigenen Haushalt
Die Führung zeigte, wie viele technische Anlagen, Arbeitsschritte und Kontrollen notwendig sind, um Abwasser zu behandeln. Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch jeder Haushalt zu einem störungsarmen Betrieb beitragen kann. In die Toilette gehören grundsätzlich nur menschliche Ausscheidungen und gewöhnliches Toilettenpapier. Feuchttücher, Hygieneartikel, Medikamente, Speisereste, Fette und andere Abfälle müssen über die jeweils vorgesehenen Entsorgungswege beseitigt werden. So lassen sich Verstopfungen und Störungen vermeiden und unnötiger Aufwand bei der Abwasserbehandlung reduzieren






3 Kommentare zu „Einblicke ins Meininger Klärwerk“
Interessant, ich konnte bis jetzt noch nie eine Kläranlage besuchen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind die Stadtwerke für die Kläranlagen verantwortlich. Wir oft muss denn eine Kläranlagenkontrolle durchgeführt werden?
Hallo Chris, wir werden insgesamt zwölfmal pro Jahr vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz kontrolliert. Die Probeentnahme erfolgt unangekündigt, in den letzten Jahren haben wir die Grenzwerte stets eingehalten. Beste Grüße
Vielen Dank für diesen Beitrag zum Thema Klärwerk. Ich suche aktuell einen Experten für eine individuelle Kanalinspektion. Interessant, dass zu den Aufgaben der Abwasserentsorgung auch die Kanalwartung gehört.